Case Study: Wie ein Schaltschrank-Hersteller durch einen 8-Stunden-Workshop Investitionssicherheit gewann
1. Auf einen Blick (Executive Summary)
- Kunde: Führender Hersteller von Schaltschränken / Industrieausrüstung
- Herausforderung: Digitalisierung des Kundenservice. Unsicherheit, ob Kunden eine geplante Service-App und automatische Störungsmeldungen überhaupt akzeptieren würden.
- Lösung: Ein intensiver 8-stündiger Strategie-Workshop mit Schlüsselpersonen, Erstellung von Storyboards und Entwicklung eines statischen Prototypen innerhalb von 2 Wochen.
- Ergebnis & ROI: Validierung der echten Kundennachfrage auf einer Messe vor dem Schreiben von Code, Vermeidung teurer Fehlentwicklungen am Markt vorbei und der Aufbau eines maßgeschneiderten internen Entwicklerteams auf Basis fundierter Workshop-Assets.
2. Die Ausgangslage: Risiko von am Markt vorbeientwickelter Software
Ein großer Hersteller von Schaltschränken plante die Neuausrichtung seiner Serviceorganisation. Ziel war es, Serviceprozesse durch eine digitale App zu schlanker zu gestalten. Geplant waren unter anderem Formulare zur Beauftragung von Serviceleistungen sowie in den Schaltschrank integrierte Funktionen für automatische Problem-Meldungen (Predictive Maintenance / IoT).
Im Management herrschte jedoch Unsicherheit:
- Werden unsere Kunden und Servicetechniker diese App überhaupt annehmen?
- Risikieren wir teure Fehlinvestitionen in Features, die in der Praxis niemand nutzt?
3. Der Wendepunkt: Der 8-Stunden-Strategie-Workshop
Um Annahmen auf den Prüfstand zu stellen, führte ich einen fokussierten 8-stündigen Strategie-Workshop durch.
3.1. Die Besetzung der Runde:
Ein entscheidender Erfolgsfaktor war die interdisziplinäre Zusammensetzung der Teilnehmer:
- Leitung der Serviceorganisation: Strategische & organisatorische Business-Perspektive
- Erfahrener Servicetechniker: Operative Praxiserfahrung und echte Nutzer-Schmerzpunkte
- BWL-/Prozess-Partner & UX-Strategen: Kaufmännische Sicht, Nutzerzentrierung & Moderation
3.2. Das Vorgehen im Workshop:
1. IST- & SOLL-Value-Stream-Mapping: Aufzeichnen der aktuellen Wertschöpfungs- und Informationsflüsse auf dem Flipchart (IST-Zustand) im direkten Vergleich zum angestrebten Zielbild (SOLL-Zustand), um Silos aufzubrechen und Medienbrüche sichtbar zu machen.
2. Contextual Interviewing & Clustering: Tiefeninterview mit dem Servicetechniker im Raum. Mittels Affinitätsdiagrammen wurden Probleme gesammelt und in präzise „Wie können wir“-Fragen (How Might We) übersetzt.
3. Storyboarding: Visuelles Skizzieren der Interaktionen auf Flipcharts zur Priorisierung der wirklichen Kernfunktionen.
4. Die Erkenntnisse: Praxis-Hürden sichtbar machen
Im Workshop wurden zwei wesentliche Hürden aufgedeckt, die im ursprünglichen Konzept unberücksichtigt geblieben waren:
1. Kommunikationsbrüche: Die Informationsübermittlung zwischen Kunde und Serviceorganisation wies bisher erhebliche Schnittstellenprobleme auf.
2. Zeitverlust vor Ort: Servicetechniker verloren bei Einsätzen beim Kunden häufig viel Zeit mit der bloßen Orientierung auf riesigen Werksgeländen („Suchen des Schaltschranks“).
Die Kurskorrektur: Statt überfrachteter Funktionen fokussierte sich das Team auf zwei essenzielle Kernfunktionalitäten:
- Transparente Zustandsanzeige: Sowohl Kunden als auch Techniker können den Schaltschrank-Status live in der App einsehen.
- Hallen-/Lageplan: Ein integrierter Orientierungsplan in der App zeigt dem Techniker vor Ort sofort den genauen Standort des Schaltschranks.
5. Das Experiment: Prototyping & Messe-Test in nur 2 Wochen
Anstatt monatelang Code zu programmieren, wurde die neue Idee umgehend als Hypothese behandelt:
- Innerhalb von nur zwei Wochen nach dem Workshop entwickelte ich zusammen mit einem Softwareentwickler einen statischen Prototypen (Klickdummy).
- Dieser Prototyp wurde auf einer Branchenmesse echten Kunden und Fachbesuchern präsentiert.
Das Messe-Feedback: Die Reaktion der Kunden war durchweg positiv. Damit war der Nachweis erbracht: Die Nachfrage und der Mehrwert am Markt sind real.
6. Nachhaltige Wirkung & ROI
Nach der Messe wurde ein Entwicklungsauftrag für ein MVP angefragt. Als sich zeigte, dass ein externer Entwicklungsauftrag den Budgetrahmen sprengen würde, nutzte der Kunde die im Workshop erarbeiteten Assets (Storyboards, Value Stream Maps und Prototyp) als direkte Bauanleitung, um intern Entwicklungsressourcen aufzubauen.
6.1. Der konkrete Return on Investment (ROI):
- Absolute Investitionssicherheit: Das Unternehmen erhielt in kürzester Zeit die Gewissheit, dass Kunden die Lösung annehmen und sich künftige Investitionen lohnen.
- Vermeidung von Fehlinvestitionen: Es wurde verhindert, dass erhebliche Budgets in ungenutzte oder falsche App-Features fließen.
- Klarer Entwicklungs-Blueprint: Der 8-Stunden-Workshop lieferte fundierte Spezifikationen, mit denen das Unternehmen in Eigenregie zielgerichtet ein eigenes MVP entwickeln konnte.
Weiterführende Inhalte
Das passende Beratungsangebot und die verwendeten Werkzeuge im Überblick.
Fehlinvestitionen vermeiden
SzenarioDas Beratungsangebot, zu dem diese Case Study gehört: Investitionssicherheit durch Research vor dem ersten Code.
Strategie Workshop
WerkzeugDer 8-Stunden-Workshop als zentrales Instrument zur Abstimmung von Business, Fachbereich und Technik.
Contextual Inquiry
WerkzeugTiefeninterview und Beobachtung direkt am Arbeitsplatz, um reale Schmerzpunkte und Workarounds aufzudecken.