Remote Interviews

Details

Remote Interviews im Detail

Skalierbare praxisnahe Befragung: Strukturierte Tiefeninterviews zur Rekonstruktion echter Verhaltensweisen und Vorstellungsweisen der Anwendenden.

Fokus auf vergangenes Handeln

Keine Höflichkeitsantworten oder vage Wünsche. Ich rekonstruiere konkrete Situationen aus dem Alltag der Befragten, um reale Nutzungsmuster, Hürden und Emotionen aufzudecken.

Mentale Modelle & Begriffe

Interviews decken auf, in welchen sprachlichen und logischen Konzepten Nutzer denken. Das liefert die direkte Grundlage für eine intuitive Informationsarchitektur.

Hohe Stichprobe ohne Reisekosten

Das Remote-Setting ermöglicht ortsunabhängige, flexible Termine. Das schont das Forschungsbudget und erlaubt eine breitere Abdeckung verschiedener Rollen.

Scope & Auswertung

Vom Zielgruppen-Screener über den zielgerichteten Leitfaden bis zur Transkription und thematischen Synthese in kompakte, kategorisierte Insights.

Beispielfragen aus dem Interviewleitfaden

Damit Sie ein Gefühl dafür bekommen, was in einem Remote-Interview wirklich gefragt wird, hier fünf Fragetypen mit konkreten Beispielen. Der Leitfaden wird für jedes Projekt individuell angepasst – die Struktur bleibt immer gleich.

1. Auslöser und Einstieg

Ziel ist es zu verstehen, was den Prozess überhaupt in Gang gesetzt hat.

  • „Erinnern Sie sich an das letzte Mal, als Sie [Problem/Aufgabe] lösen wollten? Was genau war der Auslöser dafür?"
  • „Welches Ziel wollten Sie in diesem Moment erreichen?"
  • „Wie haben Sie das gelöst, bevor Sie unser Produkt/Service genutzt haben?"

2. Chronologischer Ablauf und Aktionen

Hier sammle ich die einzelnen Schritte für die Phasen der Journey Map.

  • „Nehmen Sie mich Schritt für Schritt mit: Was haben Sie als Erstes gemacht, nachdem Sie sich dazu entschieden haben?"
  • „Welche Werkzeuge, Geräte oder Dokumente haben Sie in diesem Schritt verwendet?"
  • „Mit welchen anderen Personen oder Abteilungen mussten Sie sich dabei abstimmen?"

3. Emotionen und Gedanken

Diese Fragen liefern die Daten für die emotionale Kurve in der Journey.

  • „Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?"
  • „Wie hat sich dieser Schritt für Sie angefühlt? Gab es Unsicherheit oder Unklarheiten?"
  • „An welchem Punkt im Prozess waren Sie am meisten überrascht oder zufrieden?"

4. Hürden und Schmerzpunkte

Hier identifiziere ich die Tiefpunkte der Journey, aus denen spätere Optimierungspotenziale entstehen.

  • „Was war der anstrengendste oder zeitraubendste Teil des gesamten Ablaufs?"
  • „Gab es einen Moment, an dem Sie abbrechen wollten oder nicht mehr weiterwussten? Warum?"
  • „Welche Informationen haben Ihnen an diesem Punkt gefehlt?"

5. Abschluss und Nachgang

Das Ende der Journey zeigt, ob das Ziel nachhaltig erreicht wurde.

  • „Woran haben Sie gemerkt, dass die Aufgabe für Sie erfolgreich abgeschlossen war?"
  • „Was haben Sie direkt im Anschluss gemacht?"
  • „Gibt es etwas, das Sie beim nächsten Mal anders machen würden?"

Beispiel-Transkript

Ein realer Ausschnitt aus einem 15-minütigen Remote-Interview. Er zeigt, wie konkrete Handlungen, Emotionen und Pain Points in einem einzigen Gespräch gleichzeitig zutage treten.

Interviewer: „Erzähl mir vom letzten Mal, als du eine Spesenabrechnung eingereicht hast."

Nutzer (Sven, Sales Manager): „Das war letzten Dienstag nach meiner Reise nach Frankfurt. Ich habe mich im Webportal angemeldet, um die Belege hochzuladen. Das Formular verlangte aber für jeden Beleg einzeln die Projektnummer und den Verpflegungsaufwand. Ich musste extra in Outlook nachschauen, wie die Projektnummer lautete, weil die da nicht gespeichert war. Das hat extrem genervt, weil ich zehn Belege hatte und jedes Mal alles neu eingeben musste. Ich war kurz davor, den Tab einfach zu schließen und es später zu machen. Am Ende habe ich es dann doch durchgezogen, weil ich das Geld zurückwollte."

Synthese: Affinity Map / Cluster

Die Aussagen des Transkripts werden direkt in die vier Kategorien des Erfassungsrasters übersetzt:

Phase / Aktion Touchpoint Pain Point Zitat / Observation
Abrechnung starten Webportal Anmeldung erforderlich „Das war letzten Dienstag nach meiner Reise nach Frankfurt."
Belege erfassen Webportal (Formular) Projektnummer muss für jeden Beleg manuell und einzeln neu eingegeben werden „Ich musste extra in Outlook nachschauen […] weil ich zehn Belege hatte und jedes Mal alles neu eingeben musste."
Daten nachschlagen Outlook Kontextwechsel nötig, da Projektnummer im Portal nicht vorausgefüllt ist „Das hat extrem genervt […]"
Prozess abbrechen / fortsetzen Webportal Hohe Frustration führt zu Abruchimpuls „Ich war kurz davor, den Tab einfach zu schließen und es später zu machen."

Erkenntnis für die User Journey

Aus diesem Muster lässt sich für die Journey Map direkt Folgendes ableiten:

  • Emotionale Kurve: Ein starker Abfall (Tiefpunkt) während der Belegeingabe durch wiederholte, redundante Dateneingabe.
  • Opportunity (Design-Anforderung): Stapelverarbeitung für Belege einführen oder Projektnummern aus vorherigen Eingaben automatisch übernehmen.

Verweis: Von Interviews zu User Journeys und User Flows

Die identifizierten Phasen, Touchpoints und Pain Points aus den Interviews fließen zunächst in eine User Journey Map ein. Dort werden mehrere Touchpoints und die emotionale Kurve über den gesamten Prozess hinweg sichtbar. Aus den konkreten Software-Touchpoints der Journey werden anschließend gezielte User Flows modelliert.

FAQ zu Remote Interviews

Echte Fakten statt Vermutungen – wie datenbasierte Befragungen von Nutzeraufgaben Entwicklungsrisiken minimieren.

Warum ein UX-Interview statt normaler Kundengespräche?

In klassischen Kundengesprächen stehen meist individuelle Wünsche im Vordergrund. UX-Interviews fokussieren sich auf reale Anwenderaufgaben. Häufig entdecken wir dabei, dass verschiedene Jobrollen sehr ähnliche Aufgaben lösen müssen – ein enorm wichtiges, oft unentdecktes Effizienzpotenzial.

Wie viel Zeit nimmt die Befragung in Anspruch?

Ein einzelnes Interview dauert schlanke 30 Minuten. Die Befragung erfolgt iterativ in Blöcken von jeweils 5 Interviews. Nach jedem Block bewerten wir gemeinsam, ob sich bereits klare Muster abzeichnen, um das Budget scharf am echten Erkenntnisgewinn auszurichten.

Wer übernimmt die Rekrutierung der Teilnehmer?

Auf Wunsch übernehme ich die Rekrutierung der Interviewpartner komplett. Da wir im vorausgehenden Strategie-Workshop die betroffenen Rollen genau kartiert haben, lässt sich die Zielgruppe sehr präzise und ohne Streuverluste ansprechen.

Wie vermeiden Sie Höflichkeitsantworten?

Ich frage niemals nach Wünschen, Meinungen oder hypothetischen Szenarien („Würden Sie…“). Der Fokus liegt exklusiv auf gegenwärtigen Arbeitsabläufen und konkreten Handlungen. Das Beschreiben realer Tätigkeiten liefert neutrale, objektiv auswertbare Fakten.

Wie steht es um den Datenschutz (DSGVO)?

Sämtliche Interviewdaten und Aufzeichnungen werden DSGVO-konform auf meiner eigenen Nextcloud-Instanz verarbeitet und gespeichert. Gehostet wird die Infrastruktur in deutschen Rechenzentren (Hetzner).

Welche konkreten Artefakte erhält unser Dev-Team?

Sie erhalten aktualisierte und geschärfte User Stories sowie visuelle User Flows in Form von Sequenzdiagrammen als PDF. Das Dev-Team bekommt somit eine saubere, unmissverständliche Grundlage für die Implementierung.